Bondage für Anfänger
Sehr häufig fällt mir aus verschiedenen Dialogen heraus auf, wie leicht gerade Anfänger und Neulinge die erotische Kunst der Fesselung unterschätzen. Auch wenn manch einer noch immer denken mag, den Partner so zu fesseln sei doch recht einfach, dem sei gesagt, dass solch eine Bondage-Session doch eine mehr oder minder lange aber vor allem eine gute und sorgfältige Vorbereitung benötigt. Dazu gehört meines Erachtens auch der vorherige Besuch eines Bondage Workshops in dem die Teilnehmer von erfahrenen Fesselkünstlern in die Kunst des richtigen – und vor allem unfallfreien Fesselns eingewiesen werden. Im August habe ich bereits über die Ursprünge des Bondage geschrieben – das Motto heute lautet “Safety First!”
Vorbereitung einer Bondage-Session
Im nürnberger Raum bietet Lor aka Knoterich derartige Seminare und Workshops in sehr guter Qualität. Bei ihm erlernt man zum Beispiel auch grundlegende, für eine folgenfreie Bondage-Session notwendige anatomische Kenntnisse des menschlichen Körpers. Diese sind sehr wichtig, um einige Fehler von vornherein vermeiden zu können. Damit ist zum Beispiel das (unbeabsichtigte) Abschnüren wichtiger Nerven und Blutgefäse gemeint. Auch Grundlagen der Physik kann man dort erlernen. Bei einer Hängebondage oder anderen komplexen Fesselungen mit Belastung können diese Kenntnisse sehr schnell von Nutzen sein.
Hat man nun gewisse Grundlagenkenntnisse, ist es sehr gut verständlich, dass man nun seine ersten Gehversuche auf eigene Faust unternehmen will. Aber so direkt vor einer Bondage-Session gibt es noch immer einiges zu beachten:
- Man sollte sich viel Zeit nehmen und es mit Ruhe angehen lassen. Störungen sind dabei immer sehr unschön und manchmal auch peinlich
- Sorgt für eine angenehme Atmosphäre und achtet darauf, dass der Raum nicht zu kalt ist. So eine Session dauert gewöhnlich mehr als nur ein paar Minuten und gerade wenn der Partner nackt gefesselt wird, kann er oder sie schnell frieren
- Auch die Bondage-Utensilien sollten im Idealfall bereits vorher bereitgelegt werden – dies bietet sich auch als sehr guter Zeitpunkt an, das verwendete Equipment hinsichtlich Eignung und Zustand zu überprüfen. Für den Ernstfall sollte auch eine geeignete Schere oder Messer bereitgelegt werden.
- Desweiteren sollte man ein Saveword vereinbaren oder falls das Opfer geknebelt wird, ein entsprechendes Zeichen. Das macht aber auch nur Sinn, wenn man darauf achtet, dass der Gefesselte das Zeichen auch in der Fesselung sichtbar ausführen kann.
- Grundsätzlich sollten neben dem Saveword auch grundlegende Erwartungen und Grenzen im Spiel vorher abgesprochen werden. So kann man vermeiden, dass aus der Lust schnell Frust oder noch schlimmeres wird.
Was auch mitunder gerne vernachlässigt oder verharmlost wird: Finger weg von Alkohol und Drogen! Beide Spielpartner sollten nüchtern und klar im Kopf sein. Drogen und Alkohol können die Reaktionsfähigkeit einschränken, machen unsensibel und stören die Wahrnehmung. Die Akteure gefährden sich dadurch nicht nur, sie bringen sich dabei auch um den künstlerischen und emotionalen Genuss.
Gestaltung einer sicheren Session
Wichtigste Voraussetzung für eine Bondage-Session ist absolutes gegenseitiges Vertrauen. Der aktive Partner muss sich seiner Verantwortung gegenüber dem Fixierten bewusst sein. Darauf muss sich schließlich der passive Partner auch absolut verlassen können. Während der Session muss immer die Kommunikation zwischen beiden Partnern gewährleistet sein. Der Passive darf vom Aktiven niemals allein gelassen werden. Der Aktive muss immer in Hör- und Sichtweite bleiben da sich der passive Part bei Zwischenfällen nicht selbst helfen kann. Bei einer stehenden Mumifizierung können zum Beispiel Stürze nicht selbst abgefangen werden. Oder aber die Gefesselte bekommt plötzlich eine Panikattacke – Anzeichen dafür wären kalter Schweiß, Hyperventilation oder aggressives Verhalten. Da muss das Bondage umgehend und so schnell wie möglich gelöst werden. Gleiches gilt natürlich auch bei Atemnot, Nervenstörungen, tauben Gliedern und ähnlichem.
Nur wenn der aktive Partner immer den Kontakt hält, kann der passive ihm jederzeit ein Feedback geben. Geht es ihr gut? Ist bei ihr alles in Ordnung? Oder hat sie gar vielleicht eine Grenze erreicht?
So mancher erhofft sich von gewagten Aktionen oder neuen Fesselideen einen besonderen Kick. Aber Vorsicht: Damit kann man sich schnell übernehmen. Die Kunst des Bondage ist sehr umfangreich und daraus resultiert ein sehr langer Lernprozess. Das bedeutet, dass sich die eigenen Handlungen stets am aktuellen Kenntnisstand und den eigenen Erfahrungen orientieren sollten. Wer sich darüber hinwegsetzt riskiert gesundheitliche Schäden des passiven Partners und bringt damit beide um den Genuss der Bondage-Session.
Gleiches gilt natürlich auch für den passiven Part. So mancher möchte seinen eigenen Grenzen ausloten und überschreiten. Die Grenzen des eigenen Körpers muss Sub dazu sehr gut einschätzen können wenn sie gesundheitlich unversehrt aus dem Spiel hervorgehen will. Ergo gilt auch für Sub folgender Leitsatz: Der eigene Kenntnisstand und die Erfahrung limitieren die Möglichkeiten.
Wer diese doch eigentlich recht Einfachen Leitsätze befolgt hat auch sehr gute Chancen auf einen echten sinnlichen Genuss der Session welcher über deren Ende möglicherweise noch hinausreicht.

